Nicht-Selbst in Theorie und Praxis

Nicht-Selbst in Theorie und Praxis

Wer bin ich? Die Frage nach der Beschaffenheit des Selbst ist eine der ältesten philosophischen Fragen überhaupt. Das Spannende: je tiefer man sich mit dieser Frage beschäftigt, desto unklarer scheint die Antwort zu werden. Was ist dieses Selbst, das durch all die Wandlungen unseres Lebens gleich zu bleiben scheint? Sitzt mein Selbst in meinem Körper, hinter meinen Augen? Ist mein Selbst mein Geist? Um diese und andere verwandte Fragen zu erforschen, werden wir uns Ideen und Übungen aus Psychologie, Neurowissenschaft und alten Weisheitstraditionen wie Buddhismus und Daoismus zuwenden.

Die Neurowissenschaft und die alten Weisheitstraditionen stimmen überein, dass das Selbst nach systematischer Analyse nicht zu finden ist. Die Neurowissenschaft kann im Gehirn kein Zentrum entdecken, in dem das Selbst sitzt oder all unsere unterschiedlichen Erfahrungen zusammenkommen. Der Buddhismus kommt zu ähnlichen Schlüssen, allerdings durch radikal andere Methoden. Anatta, die Wahrheit des Nicht-Selbst, wird hier als direkte Entdeckung in der Erfahrung gesehen. Dieses Nicht-Selbst kann laut dem Buddhismus also nicht nur theoretisch erörtert, sondern auch praktisch erfahren und gefühlt werden. Nach dem Buddhismus ist diese praktische Erfahrung und Realisierung des Nicht-Selbst eine große Quelle tiefer innerer Entspannung und Glück.

In diesem interaktiven Vortrag werden wir neben neurowissenschaftlichen, philosophischen und psychologischen Theorien zum Thema Selbst auch einige Bewusstseinsübungen durchführen, um aktiv unser eigenes Selbst zu untersuchen und mehr darüber herauszufinden, wer wir (nicht) sind.